Call of Duty: Modern Warfare 2 im Test – Das kann der neue Shooter (2024)

Test

Das 2022er CoD ist ganz anders, als erwartet: Sehr viel mehr Agenten-Thriller im Jack-Bauer-Stil denn klassisches Call of Duty. Weniger ballern, mehr taktieren. Aber ist anders auch richtig gut? CoD: Modern Warfare 2 im Test.

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Von Benjamin Kratsch

Autor

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Auf einen Blick

Unsere Wertung

Pro

  • Grafisch einer der stärksten Shooter
  • Viele starke Stealth-Missionen
  • Sehr atmosphärisch: Jede Operation hat ihr eigenes Flair
  • Fast jede Mission hat taktische Optionen (aufs Dach klettern, Pfefferspay durch Ventilationsschächte etc.)
  • Viele kreative Überraschungen im Gameplay
  • 8-stündige Story-Kampagne mit guten Schauspielern

Kontra

  • Fans der alten CoDs werden die cineastischen Schlachten, wie jene um Paris, Hamburg oder Washington vermissen
  • Wenige große Skriptmomente
  • Einige Checkpoints sind ungünstig gesetzt

Fazit

Sie sind selten geworden, die richtig großen Singleplayer-Shooter und mit Call of Duty: Modern Warfare 2 ist Infinity Ward ein Meisterwerk gelungen. Richtig intensiv, unglaublich atmosphärisch in fast jeder Mission. CoD war früher eher Michael Bay, als „Ballerbude“ verschrien. Das ist das 2022er CoD definitiv nicht, MW2 geht sogar fast mehr Richtung Splinter Cell oder die alten Ghost Recons: Oft müssen wir schleichen, aus der Dunkelheit angreifen, Wachen vorbeiziehen lassen. Viele Missionen spielen sich so wie jene ikonische SAS-Operation Clean House in London. Vorbei sind die Zeiten, in denen im Minutentakt Black Hawks abschmieren und der halbe Bildschirm explodiert. Klar, CoD: MW2 hat auch harte Action, aber auch wirklich viele, gute taktische Missionen und sieht grafisch verdammt gut aus. Klare Empfehlung für alle, die mal wieder auf Lust auf eine starke 8-stündige Kampagne haben.

Die Grachten von Amsterdam: Es ist Nacht, nur ein paar Möwen ziehen vorbei, leichter Nebel liegt auf dem Bootshafen in den ersten Minuten des großen Tests von Call of Duty: Modern Warfare 2. Als Gaz prüfen wir unsere USP45 mit Schalldämpfer, tauchen ab ins kühle Nass, schwimmen unter Wasser durch Brückenköpfe hindurch – Wachposten entdeckt, aus dem Meer Wasser geschnellt, reingezogen. Wir tauchen unter Patrouillenbooten hindurch, observieren die Gegend, handeln taktisch. Das 2022er CoD überrascht uns in seiner Kampagne, denn es spielt sich in seiner spannenden 8-stündigen Kampagne und den 17 Missionen häufig eher wie Splinter Cell.

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Wo ein Modern Warfare 3 noch im Minutentakt Helis abschmieren und ganz Paris, Hamburg und Washington in Flammen aufgehen ließ, bevorzugt Infinity Ward dieses Jahr die leise Gangart: Viele Missionen spielen sich so wie jene ikonische SAS-Operation in London namens Clean House. Wir gehen methodisch vor, knipsen die Stromleitung aus, infiltrieren über Dächer, lassen Reizgas in Ventilationsschächte gleiten, um Terroristen abzulenken. Die vielen Nachtoperationen kommen besonders gut rüber auf einem OLED-Panel ob der perfekten Schwarzwerte – die Branche sollte definitiv mehr OLED-Displays anbieten, getestet haben wir CoD: Modern Warfare auf einem Razer Blade 2022 mit einem 4K-OLED.

Wie Clean House: Viele Operationen der Kampagne fühlen sich wie der SAS-Zugriff aus dem 2016er CoD an

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Es ist ein bisschen überraschend, aber vermutlich haben die Macher auf ihre Fans gehört: Sogar reale Navy Seals und Ex-Soldaten des SAS zeigten sich auf Youtube beeindruckt, vom Realitätsgrad der Nachtoperation in London aus dem 2019er Modern Warfare. Solche Missionen gibt es oft – auf denen wir im kleinen Team mit Nachtsichtgerät durch Felder schleichen, die Stromzufuhr abklemmen am Haus, feindliche Soldaten leise und effizient ausschalten, bevor diese Alarm auslösen. Wobei wir das nicht müssen, was uns gut gefällt: Es gibt viele Passagen, in denen können wir leise vorgehen und taktisch oder einfach losballern, je nachdem wonach uns gerade ist.

Etwas schade ist allerdings, dass Call of Duty: Modern Warfare 2 viele gute Equipment-Ideen nur in bestimmten Missionen zum Einsatz bringt. Wir können etwa per Herzschlagsensor herausfinden, wo sich die Terroristen in einem Gebäudekomplex verschanzen. Dann entscheiden, ob wir den simplen Weg wählen – C4 an die Tür und hartes Feuergefecht. Oder den strategischen: aufs Dach klettern, leise verhalten, Rohrventilatoren finden, Pfefferspray einführen. Dann allerdings ist der Feind alarmiert – er hustet zwar, aber verteilt sich und schießt auch nach oben, weil er uns auf dem Dach vermutet.

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Wer lieber die Sam-Fisher-Methode nutzen will, der schaltet seinen Herzschlagsensor ein, geht an einem von drei Fenstern in Position und pickt sich die Kerle einer nach dem anderem mit dem Scharfschützengewehr mit Schalldämpfer raus. Es ist schon interessant, dass CoD mittlerweile mehr Ghost Recon ist, mehr Taktik-Shooter als das eigentliche Ghost Recon, welches sich mit Wildlands und Breakpoint eher dahin entwickelt, was CoD früher war.

Lesetipp: CoD: Modern Warfare 2 im ersten Multiplayer-Test: Das 2022er CoD rockt

Mehr Jack Bauer als Michael Bay: Viel mehr Agenten-Action, sehr wenig Ballerbude

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Was auf der einen Seite eine Stärke ist, ist aber auch eine Schwäche: Es fehlen etwas die richtig großen, die epischen Schlachten, die gerade Modern Warfare 2 und 3 – also die älteren CoDs so fantastisch gemacht haben. Wo wir mit Panzerverbänden, Luftwaffe und großen Armeen Paris oder das Weiße Haus in Washington DC zurückerobern müssen. Das 2022er CoD lässt uns meist nur in sehr kleinen Squads arbeiten, häufig auch verdeckt. Das spielt sich mitunter eher wie 24 mit Jack Bauer. Wir müssen etwa in einem wirklich wundervoll und sehr detailverliebt gestalteten Amsterdam in einer verdeckten Operation Securities mit einer nicht tödlichen Spritze auf Parkbänken schlafen legen, damit keiner die Polizei alarmiert.

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Atmosphärisch ist das großartig umgesetzt, für unseren Geschmack darf CoD aber in Zukunft auch gerne wieder etwas mehr Gas geben und große Schlachten anbieten, die letztlich die Reihe ausmachen. Dafür hat aber jeder Kampf seine eigene Atmosphäre: Als wir etwa einen abgestürzten Transporthubschrauber der Royal Navy beschützen müssen, kommen die feindlichen Soldaten regelrecht wie Geister aus dem Nebel gestürmt. Und in einer anderen Situation werden wir von einem Fluss getragen und müssen aus dem Wasser heraus mexikanische Soldaten abwehren. Generell ist CoD: MW2 erstaunlich kreativ: Jede Mission hat seine eigenen Ideen, mal müssen wir aus rausgebrochenen Ventilatorbrettern und Verbänden ein Tool bauen, um Türen aufzubrechen. Mal aus Mäusefallen, Tetrapacks und Benzol Tür-Fallen bauen.

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Mal im Commando-Stil Ghost durch eine schwer bewachte Basis manövrieren, wobei wir via Kameras die Routen von vier, fünf Wacheinheiten gleichzeitig beachten müssen. Mal die Villa eines Drogenbosses infiltrieren, ohne Waffen zu benutzen. Das überrascht, denn CoD war ja früher eher eine Ballerbude: Wir wurden in riesige Schlachten geworfen, mussten Hundertschaften von Soldaten killen, während gefühlt der ganze Bildschirm explodierte. Das gibt es im 2022er CoD viel seltener, die meisten Operationen haben diesen Splinter-Cell-Vibe. Richtig gut gefällt uns allerdings, dass uns Infinity Ward auch gerne mitunter die Freiheit lässt, die Shotgun durchzuladen, dann wird die Mission eben nur sehr viel knackiger, gerade wenn wir in den höheren von fünf Schwierigkeitsgraden spielen, denn die KI trägt meist Kevlarwesten, schießt sehr präzise mit allen Kalibern und nutzt geschickt Flankenmanöver.

Eine wunderschöne Reise um die Welt: CoD: MW2 im Technik-Check

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Eine weitere große Stärke von Infinity Ward liegt im Erzählen von adrenalingeladenen Geschichten: Gerade auch weil die Schauspieler sehr gut gewählt sind, führen sich Folter-Verhöre in Villen von Drogenbaronen in Mexiko an wie Netflix großartige Serie Narcos. Hier spielt klar die exzellente Grafikengine rein: Captain John Price ist seinem Schauspieler Barry Sloane wie aus dem Gesicht geschnitten. Selbst der Bart ist 1:1 übernommen, und es hilft natürlich, dass Sloane in der Serie Navy Seals über Jahre von echten Soldaten trainiert wurde. Auch andere Figuren sind gut gespielt: Alejandro, Colonel einer mexikanischen Spezialeinheit, Shadow-Company-Boss Graves oder Generel Shepherd – Fans der US-Serie 24 kennen ihn als Secret-Service-Agent Aaron Pierce.

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Sub Surface Scattering wird eingesetzt, um authentische Gesichter zu zeichnen: Falten, Schnittwunden, die Art, wie sich nach Explosionen aufgewirbelter Schutt und Dreck mit Schweiß auf der Haut vermischt, das fühlt sich sehr echt an, gerade in 4K-Auflösung. Getestet haben wir Call of Duty: Modern Warfare 2 auf einem Razer Blade 2022 mit RTX 3080 und konnten in 4K mit Ultra-Details und aktiviertem Raytracing dank Nvidias Deep-Learning-Super-Sampling-Technologie (DLSS) sauber in über 60 FPS spielen. Es gab bei sehr aufwändigen Szenen, mit vielen Passanten etwa in Amsterdam oder bei massiven Explosionen auch mal Dips, allerdings testen wir hier vor Release. CoD 2022 erscheint erst am 28. Oktober, AMD, Nvidia und auch Infinity Ward werden sicherlich Performance-Optimierungen bringen.

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Gerade in 4K fällt auf, wie scharf gezeichnet alle Objekte sind – an Helmen sind Kameras befestigt, man sieht das Scharnier, jede Schraube, weil Infinity Ward Fotogrammetrie nutzt. Sie legen also eine Waffe oder ein Equipment-Teil in einen Raum mit hunderten Spiegelreflex-Kameras, macht tausende Fotos pro Seite und erstellt so einen 3D-Scan. Fotogrammetrie sorgt für einen gewissen Foto-Realismus: Als wir durch eine Villa schleichen, werfen Vasen korrekte Schatten, die Materialien wirken authentisch. Egal ob die Ledercoach, die Fasern der Satin-Vorhänge, wie sich der Marmor anfühlt. Das ist toll, denn wir leben in dieser Games-As-a-Service-Welt mittlerweile und wirklich hochwertige Singleplayer-Shooter sind viel zu selten geworden.

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Xbox Series X

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Autor: Benjamin Kratsch, Autor

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Egal ob die Weltpremiere von Cyberpunk 2077, das Interview mit Daniel Craig über seine Zeit als James Bond oder die heißesten Smartphones & Tech-Gadgets auf dem Mobile World Congress: Wo etwas enthüllt wird, ist Benjamin Kratsch für PC WELT dabei. Seit 2019 schreibt er für IDG über Gaming, Filme, Serien, Smartphones und Digital Lifestyle.

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